Auf dem Weg zu einer neuen Schulkultur

Die Welt verändert sich, die Schüler verändern sich – dann muss sich auch die Schule verändern. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg dahin war der Pädagogische Tag der BSG am 23. Juni 2016, an dem sich mehr als 100 Kolleginnen und Kollegen der BSG Bad Nauheim einen ganzen Tag intensiv mit dem Individualisierten Lernen beschäftigten.

 

Die Grundideen skizzierte Prof. Peter Heiniger von der Pädagogischen Hochschule Thurgau (Schweiz), einer der führenden Didaktikexperten, sehr anschaulich in seinem Einführungsvortrag. Eine veränderte Schul- und Lernkultur soll unterschiedlichen Voraussetzungen der Schüler mehr gerecht  werden, sie stärker in den Lernprozess einbeziehen und so letztlich zu Experten ihres eigenen Lernens machen. Die Hauptaufgabe der Lehrpersonen sei es, den Erfolg zu ermöglichen.

 

„Wir wollen uns auf diesen Weg machen“, bekräftigte Schulleiter Andreas Stolz. Gemeinsam mit dem Schulleitungsteam stellte er die eigene Vision und die Unterstützungsangebote für diesen mehrjährigen Prozess vor, darunter Fortbildungen und Koordinierungsstunden. Zudem stehen in den nächsten Jahren an der BSG größere Umbauten an, bei denen auch ein Selbstlernzentrum für Schüler entstehen wird.

 

Im angeregten Austausch des Kollegiums kamen Hoffnungen, aber auch Bedenken zum Ausdruck. Fachteams erarbeiteten am Nachmittag erste Ergebnisse für neue Unterrichtskonzepte, die in den nächsten Monaten weiter entwickelt werden.  Eine anonymisierte Befragung der Lehrkräfte ergab ein überwiegend positives Feedback und den Wunsch, das Thema auf dem nächsten Pädagogischen Tag zu vertiefen.

 

Daran anschließend fand am 04.10.2016 eine weitere Veranstaltung mit Prof. Heiniger statt, in denen sich Teams, die sich auf den Weg gemacht hatten, tiefergehende Informationen erhielten und an neuen Ideen und Erkenntnissen arbeiten konnten.

 

Am Donnerstag, den 02.02.2017, fand ein weiterer Termin mit Prof. Heiniger für die Teams statt, in denen an bereits erarbeiteten Konzepten und Ideen gefeilt und tieferes Wissen erworben und angewendet wird.

 

Auch neue Teams haben sich inzwischen auf den Weg gemacht und am 23.03.2017 einen weiteren Fortbildungstermin mit Prof. Heiniger wahrgenommen. Diese erhielten Anregungen und Umsetzungsideen, die im Sinne des individualisierten Lernens im Unterricht Anwendung finden können. Im Anschluss daran gab es Zeit, in den Teams gemeinsam zu arbeiten. Prof. Heiniger übernahm hierbei das Coaching.

 

Am 21.08.2017 folgte ein pädagogischer Tag zum Thema Professionsverständnis.

 

Ein weiterer Tag mit Prof. Heiniger für bestehende Teams mit einem fachlichen Input fand am 13.11.2017 statt.

 

Am 07. Februar 2018 gab es einen weiteren pädagogischen Tag zum Thema.

Stimmen von Lernenden aus dem Einzelhandel

11 EK (Einzelhandel, 2. Ausbildungsjahr), Frau Steinbrecher

Das individualisierte Lernen wurde in dieser Klasse in Form einer Lerntheke mit verschiedenen Schwierigkeitsstufen und unterschiedlichen Lernsituationen zur Auswahl innerhalb der Stufen mit bereitgestellten Hilfsschritten und Lösungen durchgeführt, die sich die Lernenden nach ihrem individuellen Bedarf selbständig heranziehen konnten. Zum Teil diente die Lerntheke als Wiederholung und zur Aneignung neuer Inhalte. Grundlage war u. a. ein individuelles Kompetenzraster für die selbständige Auswahl der Aufgaben. Ein Laufzettel gab den Lernenden Struktur und eine Übersicht zum Lernstand.

 

Meinungen zur Lerntheke:

  • „Die Lerntheke hat mir viel gebracht.“
  • „Ich fand die Lerntheke eine gute Idee. Man konnte sich die Aufgaben selbst aussuchen.“
  • „Ich konnte gut reflektieren, was ich bereits kann und konnte gut die Dinge wiederholen, die ich bereits vergessen hatte.“
  • „Bringt etwas, wenn man auch lernen möchte.“
  • "Der Laufzettel war super, um die Übersicht zu haben, an welcher Aufgabe ich bin und welche ich gemacht habe."
  • „Die Lerntheke fand ich gut, da die vergangenen Stunden noch einmal aufgearbeitet werden konnten und die Stufen boten für jeden den richtigen Schwierigkeitsgrad.“
  • „Die Lerntheke finde ich super für Schüler, die lernen wollen.“

Stimmen von Lernenden aus der Fachschule zum/zur staatlich anerkannten Erzieher/in

Individualisiertes Lernen als Basis der Ausbildung zum/zur staatlich anerkannten Erzieher/in

Die Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin/zum staatlich anerkannten Erzieher verändert sich entsprechend den Anforderungen und Herausforderungen an den Beruf. Das bedeutet ganz aktuell: Unterricht wird verstanden als ein produktiver Interaktionsprozess und ist studienorientiert gestaltet.

Es gibt eine vorgegebene Tagesstruktur, die sowohl Fachunterricht beinhaltet in Form von einem „Input“ als auch Zeit für individualisiertes Lernen bietet. Dazu gehört auch das Lernen im Team.

Auf der Basis von eigens von den Fachkolleginnen und –Kollegen der BSG erarbeiteten Bildungssituationen werden die Aufgabenfelder „Berufliche Identität und professionelle Perspektiven weiter entwickeln“, „Pädagogische Beziehungen gestalten und mit Gruppen pädagogisch arbeiten“, „Lebenswelten und Diversität wahrnehmen, verstehen und Inklusion fördern“, „Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur“, „Sozialpädagogische Bildungsarbeit in den Bildungsbereichen professionell gestalten“, Erziehungs- und Bildungspartnerschaften mit Eltern und Bezugspersonen gestalten sowie Übergänge unterstützen, „Institution und Team entwickeln sowie in Netzwerken kooperieren“ größtenteils selbstorganisiert erarbeitet und von den Fachkolleginnen begleitet.

Lehrende in der Mentorenrolle

Die Lehrenden verstehen sich als Mentoren und Wegbegleiter. Die individuelle Entwicklung und Vorbereitung auf die Praxis stehen im Vordergrund.

Die Portfolio-Arbeit der Studierenden bekommt einen neuen Stellenwert auf dem Weg zum Finden der eigenen beruflichen Identität.

Teamstrukturen

Die persönliche Begleitung wird erleichtert durch die Teamstrukturen der ausbildenden Kolleginnen und Kollegen. Die Anzahl der Lehrenden in einer Klasse hat sich halbiert, da der sogenannte „Kernunterricht“ von einem Team von 3 Kolleginnen und Kollegen gestaltet ist. Nur die allgemeinbildenden Fächer (Deutsch, Englisch, Religion/Ethik und Mathematik gibt es noch!) werden von Fachkolleginnen und -kollegen unterrichtet. Das muss perspektivisch nicht so bleiben.

 

Meinungen von Studierenden im Rahmen des ersten Team-Feedback:

Mir gefällt gut:

  • „Dass ich mir Vieles selbst erarbeiten darf. Somit kann ich in meinem eigenen Tempo arbeiten und fühle mich nicht unter Druck gesetzt.
  • „Die Inputs, die wir bekommen, sind immer sehr hilfreich zur Festigung des jeweiligen Bildungsbausteins oder dienen als guter Einstieg.“
  • „Dass vermittelt wird, wie wichtig ein respektvoller Umgang in der Klassengemeinschaft ist.“
  • „Dass wir selbst aussuchen können, wann wir woran arbeiten.
  • „Dass wir in unserem eigenen Tempo arbeiten können.“
  • „Dass regelmäßige Mentoringgespräche stattfinden.“
  • „Ich fühle mich unterstützt auf meinem eigenen Bildungsweg und werde individuell wahrgenommen.“
  • „Es werden viele unterschiedliche Medien und Methoden zur Erweiterung der Fachkompetenz von Studierenden genutzt.“
  • „Unsere Meinung wird respektiert.“
  • „Das Arbeitsklima – respektvoller Umgang …“

 

Verbessern würde ich:

  • „Die Absprachen im Team der Lehrerinnen und Lehrer.“
  • „Absprache mit den Lehrerinnen und Lehrern der Parallelklassen.“
  • „Nutzung von weiteren Räumen.“
  • „Verfügbarkeit der Lehrkraft.“

 

Ansprechpartner sind: Petra Schlosser, Brigitte Hofmann, Dorothee Gabriel-Gooßens, Stefanie Brombach, Anne Mühlemeier

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