„Verrückt? – Na und!“ oder: „Seelisch fit in der Schule“

Auch in diesem Schuljahr fand an den Beruflichen Schulen am Gradierwerk in Bad Nauheim das Projekt „Verrückt? – Na und! – Seelisch fit in der Schule“ für die sechs Grundstufenklassen der Zweijährigen Berufsfachschule statt. Jeweils einen ganzen Schultag lang beschäftigten sich die Jugendlichen mit dem Thema seelische Gesundheit. Das Projektteam bestand aus einem hauptamtlichen Mitarbeiter des Diakonischen Werks und einem „Experten“ (Menschen, die eine eigene Krise gemeistert haben, z. B. Psychiatrieerfahrener, Suchtkranker), die gemeinsam den Projekttag geleitet und gestaltet haben. Die Schulsozialarbeiterin Frau Musik sowie die jeweiligen Klassenlehrer/innen der Beruflichen Schulen am Gradierwerk haben diesen Tag ebenfalls begleitet.

 

Als Lehrerin und Lehrer erlebt man die Schülerinnen und Schüler jeden Tag mit ihren Fähigkeiten, Launen und Macken. Sie wissen wie schwer es gerade in der Pubertät manchmal ist, zuversichtlich und optimistisch in die Zukunft zu schauen. Aus Kindern werden junge Erwachsene, die auf ihrem Weg viele Stolpersteine meistern müssen. Umso wichtiger wird das Thema seelische Gesundheit, weil Schulerfolg, seelische Gesundheit und Wohlbefinden eng miteinander verbunden sind. Mit dem Projekt „Verrückt? – Na und!“ bringen wir das Thema seelische Gesundheit in die Schule, so die Abteilungsleiterin Gabriele Heinz. Die Schule soll für alle Schulmitglieder vor allem eins sein und bleiben: ein Ort des Miteinanders, an dem sich alle wohlfühlen und in Ruhe und Zuversicht lernen, lehren und erwachsen werden können.

 

Der Projekttag „Verrückt? Na und!“ gliedert sich in drei Teile auf. Zunächst setzten sich die Schülerinnen und Schüler mit ihrem eigenen Leben auseinander. Dabei ging es um Erfahrungen, die die Jugendlichen in ihrem Umfeld bereits mit psychisch Erkrankten gemacht haben. Hier wurden z.B. auch Essstörungen genannt sowie Kopf- oder Rückenschmerzen. Das Fazit, welches die Schülerinnen und Schüler bei diesem Gespräch gezogen haben, ist, dass man eine psychische Erkrankung den Menschen nicht ansieht und dass es jeden treffen kann. Hier wurde auch verdeutlicht, dass Selbstmord der dritthäufigste Grund der 10- bis 28-Jährigen darstellt. Deshalb wurde mit den Schülerinnen und Schülern besprochen, wo man sich Hilfe in schwierigen Situationen holen und wir man sich selbst stark machen kann.

 

Im zweiten Teil des Projektes wurde das Thema "Glück und Krisen" besprochen. Als Einstieg wurden hier Bilder von Prominenten gezeigt, die auch schon eine Krise gemeistert haben. In Kleingruppen erarbeiteten die Schülerinnen und Schüler verschiedene Themen, z.B. "Wohlfühlen in der Schule", "Image von Menschen mit psychischen Erkrankungen", "Verhalten von Schülern gegenüber Erkrankten", die sie anschließend in der Gesamtgruppe präsentiert haben.

 

Die dritte Phase bestand aus einem Erfahrungsbericht einer ehemals betroffenen Person, die über Tiefpunkte des eigenen Lebens berichtete: z. B. Zeiten der Depression und Antriebsschwäche, Phasen des Abtauchens in Sucht oder eine wahnhafte Welt. Ebenso authentisch berichteten die Betroffenen, wie sie in kleinen Schritten aus der Krise heraus kamen, und dass es auch manchmal Rückschläge gab, man aber niemals den Mut verlieren sollte, solch eine Krise zu meistern. Das hat die Jugendlichen am meisten beindruckt. Die Schülerinnen und Schüler haben dabei erfahren, dass es jeden treffen könnte, dass sie selbst viel dafür tun können, um psychisch gesund zu bleiben und dass es Hilfe gibt, auf die sie zurückgreifen können, wenn sie selbst nicht mehr weiter wissen. Das soll Ängste und Vorurteilen entgegenwirken und den Blick für das eigene Leben schärfen.

 

Die Schulsozialarbeiterin, Frau Musik, die als Ansprechpartnerin an der Schule montags bis donnerstags zur Verfügung steht, stellte anschließend kurz ihre Arbeit vor.

 

Das Projekt „Verrückt? – Na und!“ setzt somit zwei Ziele um: Es will Jugendlichen Mut machen, seelische Probleme auch bei sich selbst wahrzunehmen, sie zu benennen und einen Weg zur Bearbeitung der Krisen zu finden. Es soll aber auch die „Unbeteiligten“ sensibilisieren, z. B. Klassenkameraden, Freunde, dass sie einfacher genauer hinsehen! Das Projekt will einen Anstoß geben, offener und achtsamer miteinander umzugehen und zugleich möchte es aufzeigen, wo es Hilfen in Krisen geben kann.

 

Eine Schülerin äußerte sich zum Schluss des Projekttages, dass „Menschen, die psychisch krank sind, weder gefährliche Irre oder Dumme sind, sondern Menschen, wie du und ich.“ Bezuschusst wurde das ganze Projekt von der AOK.

 

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