Palliativmedizinerin Dr. Elisabeth Lohmann zu Gast an den BSG

Im Rahmen des Religionsunterrichtes an den Beruflichen Schulen befasste sich die Klasse 12FOW4 in diesem Halbjahr besonders intensiv mit dem Thema „Sterben und Tod“.

 

Hierzu gehörte auch die Auseinandersetzung mit der Frage, wie die letzte Phase des Lebens, das Sterben, ganz konkret aussehen kann. Immer wieder wurde im Unterricht leidenschaftlich und engagiert über Tötung auf Verlangen, Beihilfe zum Suizid und "Sterbenlassen", also den Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen, diskutiert. Im Rahmen der Vorbereitung des Themas entstand der Kontakt zur Deutschen Palliativstiftung in Fulda. Diese versorgte die Schülerinnen und Schüler mit wissenswertem Informationsmaterial und der Vorsitzende, Dr. Thomas Sitte, nahm sich Zeit, jede Menge Schülerfragen per Mail zu beantworten. Er vermittelte auch den ortsnahen Kontakt zur Bad Homburger Palliativmedizinerin Dr. Elisabeth Lohmann, die am 29.04.2016 zu Besuch in die Schule kam, um den Schülerinnen und Schülern ganz persönlich von ihrer Arbeit mit Sterbenden zu berichten und Fragen zu beantworten.

 

Zusammen mit der Klasse 10ZF2 (Auszubildende zur zahnmedizinischen Fachangestellten) hörten die Fachabiturientinnen und -abiturienten gespannt zu, was Frau Dr. Lohmann zu berichten hatte. Wie sie ausführte, ist es nicht das Ziel der Palliativmedizin, Leben zu verkürzen oder gar aktiv zu beenden, vielmehr gehe es darum, die letzte Lebensphase eines Menschen lebenswert und würdig zu gestalten und körperliche Beschwerden wie Schmerzen und Atemnot bestmöglich zu lindern. Hierfür muss der ganze Mensch mit seinen seelischen und körperlichen Bedürfnissen, sowie sein soziales Umfeld in den Blick genommen werden, weshalb ein Palliativteam immer auch multiprofessionell aufgestellt ist.

Auf die Frage, wie man im Umgang mit so viel Leid "normal" bleiben könne, antwortete Frau Dr. Lohmann, dass dies nur gelinge, wenn man Sterben und Tod als Teil des Lebens akzeptiere und für sich selbst einen Ausgleich und eine Kraftquelle habe, nicht zuletzt, da in der Palliativmedizin eine ständige Erreichbarkeit gewährleistet sein müsse, die mit Wochenend- und Nachtdiensten einhergehe. Das Altersspektrum der Patienten liegt zwischen 60 und 100 Jahren, ab und zu sind auch jüngere Patienten betroffen. Diese zu begleiten stellt eine besondere Herausforderung dar, da der Tod eines jungen Menschen immer etwas "zu frühes", unabgeschlossenes hat. An dieser Stelle ermutigte Frau Dr. Lohmann die Jugendlichen, sich bereits in jungen Jahren Gedanken über das Sterben zu machen und sich auch nicht zu scheuen, eine Patientenverfügung zu verfassen, die eigenen Wünschen und Vorstellungen Ausdruck verleiht.

 

Weiterhin ermutigte sie die Schülerinnen und Schüler, offen auf Sterbende zuzugehen und diese ganz "normal" zu behandeln. "Einfach wegbleiben ist keine Lösung!", so ihr Appell an die Jugendlichen. Auf die Frage, wie sie persönlich zur Tötung auf Verlangen steht, entgegnete die Palliativmedizinerin, dass viele Menschen diesen Weg als den vermeintlich richtigen ansehen, weil sie schlichtweg Angst vor dem Sterben haben und sich nicht auf diesen Prozess als Teil des Lebens einlassen können oder wollen. Hinzu kommt, dass vielfach das Wissen fehlt, welche Möglichkeiten der Schmerzlinderung durch eine Palliativversorgung gegeben sind. Sie selbst lehnt Tötung auf Verlangen ab und will vielmehr Mut machen, sich gut begleitet auf die "letzte Reise" zu machen, anstatt das Leben künstlich, durch einen Akt von außen zu beenden.

 

Die Jugendlichen zeigten sich sehr beeindruckt von den Schilderungen der Ärztin und folgten ihren Ausführungen konzentriert und aufmerksam. Dennoch war die Atmosphäre weder "todernst", noch bedrückend: Als Frau Dr. Lohmann z. B. anmerkte, sie sei sehr gerne Palliativmedizinerin, könne sich aber nie im Leben vorstellen, Zahnärztin zu sein, musste nicht nur die anwesende Zahnärztin Frau Dr. Stoll, sondern auch die angehenden zahnmedizinischen Fachangestellten und die Fachabiturienten lachen. Alles in allem war es eine gelungene Veranstaltung, die viele nachdenkliche und wertvolle Impulse zum Thema "Leben bis zuletzt" gegeben hat.

 

Autorin: Dr. Anja Stöbener

 

<zurück>

Terminkalender/News

IHK-Abschlussprüfung

Am 27.11. und 28.11.2018 finden die Prüfungen (ST, ZF, PK) statt.

weiterlesen »

Tag der offenen Tür 2018

Am Samstag, den 01.12.2018, findet von 09:30-13:30 Uhr der Tag der offenen Tür statt.

weiterlesen »

Berufserfahrung im Ausland  ̶  Europakompetenz durch Erasmus+

Erfahren Sie mehr unter Erasmus+!