Tag der Menschenrechte und Nachhaltigkeit

Demokratie muss jeden Tag gelebt werden. Mehr als 30 Veranstaltungen stellte das Interkulturelle Team zum Tag der Menschenrechte und Nachhaltigkeit am Montag an den Beruflichen Schulen am Gradierwerk Bad Nauheim (BSG) auf die Beine.

Blick in den Gang der Menschenrechte. In der Mitte haben Schülerinnen und Schüler das Recht auf freie Meinungsäußerung in Artikel 19 als Schattenbild dargestellt.

Vorträge, Workshops, Filmvorführungen, Ausstellungen und Mitmach-Theater luden Hunderte Lernende der BSG ein, sich Gedanken zu machen über die elementare Rechte, die für alle der mehr als 7,6 Milliarden Menschen auf unserem Planeten gelten. So ist es in der vor 70 Jahren von den Vereinten Nationen unterzeichneten Allgemeine Erklärung der Menschenrechte vorgesehen.

Natürlich wissen die Schülerinnen und Schüler, Auszubildenden und Studierenden nicht nur aus dem Unterricht, dass die Menschenrechte an vielen Orten der Welt keineswegs eingehalten werden. Doch selbstzufrieden zurücklehnen sollte man sich auch in Deutschland nicht. „Demokratie muss jeden Tag gelebt werden“, betonte Stephanie Becker-Bösch, Erste Kreisbeigeordnete des Wetteraukreises, bei der Eröffnung. Sie könne sonst leicht in eine Diktatur umschlagen.

Verantwortung für Klimaflüchtlinge

„Kann man diesen Tag feiern?“, fragte Ralf Grapmeyer, Lehrer an der BSG und maßgeblich an der Organisation beteiligt. Er verwies auf Krieg und Vertreibung in vielen Ländern und rassistische Übergriffe auch in Deutschland. Zudem kämen in den nächsten 20 Jahren Hunderte Millionen Klimaflüchtlinge auf die reichen Regionen der Welt zu. „Für die werden wir Verantwortung übernehmen müssen, denn es ist auch unsere Lebensweise, die den Klimawandel mitverursacht.“

Für die Organisatoren an den BSG war es daher logisch, die Menschenrechte im Zusammenhang mit den 17 Zielen der Vereinten Nationen für eine nachhaltige Entwicklung zu sehen. „Bis 2030 soll dabei Armut und Hunger beendet werden und alle Menschen Zugang zu Wasser, Bildung und Gesundheitsversorgung haben“, nennt Christina Diehl, Lehrerin an den BSG, einige der Ziele. Sie hat über das Projekt Grenzenlos Studierende aus Kolumbien und Kasachstan eingeladen, mit Lernenden an der Schule darüber zu diskutieren. Welche der 17 Ziele sie für vorrangig halten, darüber konnten sich Schülerinnen und Schüler beim Workshop der Initiative Bildung-Wirtschaft-Nachhaltigkeit aus Bonn austauschen.

Spenden für Bildungsprojekte

Ein Lernzirkel der Klasse 11 FOG.1 aus der Fachoberschule befasste sich mit der Menschenrechtssituation in Ländern Afrikas, in denen vielfach Kinderarbeit und Zwangsverheiratung an der Tagesordnung sind. Hoffnung machen Projekte wie das des Bad Nauheimer Vereins Ubuntu, der Spenden für den Bau von Bildungseinrichtungen in Südafrika sammelt.

Sehr nachdenklich stimmte viele der Vortrag von Karin Siegmann vom Frankfurter Verein Nala - Bildung statt Beschneidung, der sich in Burkina Faso gegen die weibliche Genitalverstümmelung engagiert. „Obwohl die Beschneidung vom Staat verboten ist, wird sie trotzdem weiter durchgeführt“, so Karin Siegmann. Jahrhundertealte Traditionen, aber auch ein niedriger Bildungsstand machen es schwer, diese Praxis zu beenden. Nala unterstützt einen Partnerverein in dem afrikanischen Land, der Tandems aus einem jungen Mann und einer jungen Frau zur Aufklärung in die Dörfer schickt. Zu den ersten Erfolgen gehört, dass in mehr als 20 Dörfern die Beschneidungswerkzeuge beerdigt werden konnten. „Es funktioniert langfristig nur, wenn es von der Dorfgemeinschaft mitgetragen wird“, so die Erfahrung des Vereins.

Im Foyer hatten die Auszubildenden der Klasse 12 GK, die in wenigen Monaten die Schule als Kaufleute für Groß- und Außenhandel verlassen werden, viele Marktstände aufgebaut, die sie zusammen mit Religionslehrerin Sonja Kühn im Unterricht erarbeitete hatten. Besucher konnten sich über die Abholzung der Regenwälder zur Palmölgewinnung informieren, über Fairtrade, ökologische Landwirtschaft und Genfood. Ein Thema befasste sich mit den Containern, der Suche nach noch brauchbaren Lebensmitteln in unserer Wegwerfgesellschaft in Containern etwa von Supermärkten.

Mit Humor gegen Homophobie

Mit einem für Jugendliche oft als Tabu behandelten Thema, der Homosexualität, setzte sich der humorvolle Vortrag des Kabarettisten Malte Anders unter dem Titel „Homologie“ auseinander. Nach der multimedialen Show, die sich gegen Homophobie richtete, war Raum für Fragen und Antworten.

„Mein Leben. Meine Liebe. Meine Ehre?“ hieß das Programm des privaten Theaterkollektivs Mensch-Theater aus Offenburg. Schüler konnten sich hier an kleinen Szenen beteiligen, die sich beispielsweise mit unterschiedlichen Ausgehregeln für Jungen und Mädchen in einer Familie oder dem Coming-out des Bruders beschäftigten.

Auch wenn einige Veranstaltungen abgesagt werden mussten, da die Referenten wegen des Streiks bei der Bahn nicht anreisen konnten, bot das vielfältige Programm jede Menge Denkanstöße über den Tag hinaus. Das Interkulturelle Team der BSG bedankt sich herzlich bei allen Referenten, Unterstützern, Lehrkräften und Lernenden für einen gelungenen Vormittag.

Info zum Foto: Wandprojekt an der BSG eröffnet

Menschenrechte als Schattenbilder
Seit Wochen schon sorgt der Gang der Menschenrechte im Erdgeschoss des Neubaus der Beruflichen Schulen am Gradierwerk in Bad Nauheim (BSG) für Aufsehen: Unter der Leitung von Kunstlehrerin Brigitte Gutwerk und des Frankfurter Künstlers Johannes Kriesche haben Lernende und Studierende des Fachbereichs Sozialpädagogik hier Menschenrechte anschaulich dargestellt. Menschenschatten in unterschiedlichen Farben illustrieren achtzehn der 30 Artikel der UN-Menschenrechtserklärung.

Am Montag wurde der Gang im Beisein von Stephanie Becker-Bösch, Erste Kreisbeigeordnete des Wetteraukreises, offiziell eingeweiht. Sie hatte sich bereits im vergangenen Jahr dafür eingesetzt, Mittel der Bundesstiftung Demokratie leben in den Kreis zu holen. Aus diesen wurde das Kunstprojekt mit rund 5.000 Euro finanziell unterstützt.

Seit dem Frühjahr bestand die Idee, mit angestoßen vom Interkulturellen Team der Schule. Vor den Herbstferien nahm das Projekt schließlich Gestalt an. „Die jungen Leute waren kreativ und begeistert bei der Sache“, blickt Brigitte Gutwerk zurück. So sind mit Figuren, Gebärden und Gesten allgemein verständliche Wandmalereien entstanden. Religionslehrer Ismail Yilmaz hatte das Thema im Unterricht inhaltlich vorbereitet. Unzählige positive Reaktionen bestätigen ein gelungenes Projekt. „Hier fließen pädagogische, politische und künstlerische Energien zusammen und ermöglichen es den Lernenden, die Menschenrechte für sich neu zu übersetzen, sie wertzuschätzen und für sie einzutreten“, resümiert Brigitte Gutwerk.

Hier geht es zu den Eindrücken in Bildern.

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