Sterbehilfe und Palliativversorgung als Thema im Religionsunterricht an der BSG Bad Nauheim

„Wie stelle ich mir mein eigenes Sterben vor?“ und „Was ist eigentlich Sterbehilfe?“ waren zentrale Fragen im Religionsunterricht an den beruflichen Schulen am Gradierwerk in Bad Nauheim.

Schülerinnen stellen die Rechtslage zur Tötung auf Verlangen mit Europakarte und Halmakegeln dar.

Zusammen mit ihrer Lehrerin, Studienrätin Dr. Anja Stöbener, gingen eine Klasse 12 der Fachoberschule für Wirtschaft und Verwaltung sowie zwei zahnmedizinische Fachklassen von Januar bis April diesen Fragen intensiv nach und als das Gespräch einmal in Gang gekommen war, reichte die Zeit im Unterricht an manchen Tagen nicht aus, um alle Gedanken auszutauschen und jede Frage zu beantworten.

 

Wie das enorme Interesse der Jugendlichen zeigte, bewegt das Thema auch junge Menschen in hohem Maße und sorgte für reichlich Diskussionsstoff. Ein besonderer Schwerpunkt lag in der Aufklärung über Palliativversorgung am Lebensende, denn gerade junge Menschen wissen noch viel zu wenig über die Chancen dieser Form der medizinischen Versorgung, das Leben "bis zuletzt" noch lebenswert und würdig zu gestalten.

 

War ein Großteil der Schülerinnen und Schüler noch zu Beginn der Unterrichtseinheit der Meinung, am Lebensende lieber "kurzen Prozess" zu machen und aktive Sterbehilfe zu befürworten, so waren die Stimmen nach der Befassung mit dem Thema Palliativversorgung wesentlich besonnener und differenzierter oder wie es eine Schülerin ausdrückte: "Wenn man weiß, was alles noch möglich ist, hilft einem das, Ängste vor dem Sterben abzubauen." Der Unterricht wurde bunt und abwechslungsreich gestaltet und bei aller Ernsthaftigkeit war die Atmosphäre nie gedrückt.

 

"Das wird bestimmt ein trauriges Thema" - die von einem Schüler zu Beginn der Reihe geäußerte Befürchtung löste sich spätestens dann in Luft auf, als kreative Elemente wie die Erstellung einer "Palliativpyramide" oder der Einsatz der Filmclips "Sarggeschichten" bei youtube im Unterricht ihre Umsetzung bzw. ihren Einsatz fanden. Ganz konkrete Unterstützung der Reihe kam von Seiten der Deutschen PalliativStiftung (DPS) in Fulda und deren Materialpaket "Am Start das Ziel im Blick haben", welches im letzten Jahr von Dr. Thomas Sitte als Vorsitzendem der DPS und Dr. Anja Stöbener als ehrenamtlicher pädagogischer Mitarbeiterin entwickelt und nun erprobt wurde.

 

Ziel des Materialpaketes ist es, Lehrende zu unterstützen, mit ihren Schülerinnen und Schülern über das Thema ins Gespräch zu kommen und durch Bilder, Sachtexte, Lückentexte, Erfahrungsberichte, Interviews, Meinungen, Standpunkte, Rätsel, Spiele u. a. m. vielfältige Zugänge und Anregungen zu bieten, die je nach Schulstufe ganz unterschiedlich eingesetzt werden können.

 

Interessierte Lehrkräfte des Landes Hessen können das mit Mitteln des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration geförderte Material kostenlos gegen eine Versandkostenpauschale unter www.palliativstiftung.de bestellen. Gerne kann die Arbeit der DPS mit einer Spende unterstützt werden.

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